![]() | 03. November 2009 Verlust des Besonderen Es gab Zeiten, da gab's bestimmte Dinge fast nur zu ganz bestimmten Zeiten im Jahr und man freute sich so umso mehr darauf. Nur als ein Beispiel: Faschingskrapfen hießen so, weil sie außerhalb der Faschingszeit kaum zum Kauf angeboten wurden (zumindest dort wo ich aufgewachsen bin). Heute bekommt man sie in jedem entsprechenden Geschäft oder Markt das ganze Jahr über. Klar, dass beim erwähnten Beispiel und ähnlich gelagerten Begebenheiten vornehmlich wirtschaftliche Gründe dahinter stecken - doch der damit verbundene "Verlust" der Vorfreude darauf und der besondere Genuss an Dingen, die es sonst nicht immer gab, ist eine logische Folge daraus. Aus etwas, das besonders war - quasi so etwas, wie einem "Ritus" - is etwas gewöhnliches, etwas stinknormales geworden. Ähnlich verhält es sich oft und wie es scheint in immer größerem Ausmaß auch bei Festen, die tatsächlich saisonal an eine bestimmte Zeit(-spanne) gebunden sind. So war es auch dieses Jahr wieder tatsächlich im September, als ich in manchen Geschäften bereits Lametta und Christbaumkugeln zum Kauf angeboten sah. So weit, so gut... - und auch wenn ich es schade finde, dass dem so ist - soll es von mir aus so sein. Zuletzt (es war Ende Oktober!!!) machte ich auf der Fahrt von Salzburg nach Wien kurz Halt an einer Autobahnraststätte und traute meinen Augen nicht. Da war im Restaurant doch tatsächlich schon volle Weihnachtsdekoration installiert - so richtig mit aufgeputzem Christbaum und dergleichen. Es fehlten eigentlich nur mehr Weihnachtslieder aus den Lautsprechern! Voriges Jahr hatte ich einen Text dazu irgendwo im Netz gefunden und diesen nicht nur "ver-österrreichert", sondern auch ein wenig erweitert (auch über mein Profil auf einer Unterseite verewigt): --- *** --- Eskalation der Besinnlichkeit - ein Lagebericht: Ausgangslage: Schönster Altweibersommer - noch einmal sieht man Menschen in T-Shirts und Sandalen in den Straßencafés und Biergärten. Bisher keine besonderen Vorkommnisse in der Hauptstraße. Montag, 11. September: 10:47 Uhr: Plötzlich kommt der Befehl von Hofer-Geschäftsführer Christoph B.: "Fünf Paletten Lebkuchen und Vanillekipferl in den Eingangsbereich!" Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst reagiert Mondo-Geschäftsführer Kaspar O. eher halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Kokosbusserln an der Kasse. 15:07 Uhr: Zielpunkt-Marktleiterin Maria T. hat die Mittagspause genutzt und operiert mit Lametta und Tannenzweigen in der Wurstauslage. 16:02 Uhr: Die Filialen von Billa und Merkur bekommen Kenntnis von der in Angriff genommenen Offensive der Konkurrenz, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachts-Stillstandsabkommen bis zum 16. September. Die Verhandlungen bleiben jedoch ergebnislos. Dienstag, 12. September: 07:30 Uhr: Im Eingangsbereich von Interspar bezieht überraschend ein Rentierschlitten Stellung und macht sich gefechtsbereit. Zeitgleich beginnen zwei Weihnachtsmänner, vorbeihastende Schulkinder abzufangen und zu ihren Weihnachtswünschen zu verhören. Man konnte dafür zwei Psychologie-Studenten gewinnen, die dabei allerdings auch nicht davor zurückschrecken, ihre im Studium erlangten Kenntnisse im Zuge ihrer peinlichen Befragungen ohne jede Rücksicht anzuwenden und die Kinder unter Druck zu setzen! Unmittelbar darauf erstrahlt die Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260.000 Elektrokerzen - in der angrenzenden Wohnsiedlung fällt darauf hin für 3 Stunden der Strom aus. Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zuschauen. H&M, C&A, Bipa und DM realisieren den Ernst der Lage. Mittwoch, 13. September: Nun jagt ein Vorkommnis das andere: 09:00 Uhr: Billa setzt Krippenfiguren ins Gemüse. 09:12 Uhr: Mondo kontert mit massivem Einsatz von Weihnachtsengeln im Tiefkühlregal. 10:05 Uhr: Im Donauzentrum verirren sich dutzende Kunden in einem Wald von Christbäumen - eine Suchaktion ist bereits angelaufen. 12:00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei Merkur: An der Käsetheke wird mit sofortiger Wirkung ein "Frohes Fest" gewünscht. Die Gourmetabteilung von Interspar kündigt für den Nachmittag Vergeltungsmaßnahmen an. 19:00: Zum Geschäftsschluss im Donauzentrum kann nicht sichergestellt werden, dass alle Vermissten aus dem Christbaumwald evakuiert werden konnten. Die Geschäftsleitung veranlasst, die Rettungsmaßnahmen über die Nacht fortzuführen. Donnerstag, 14. September: 07:00 Uhr: Interspar schaufelt Kunstschnee in die Schaufenster. 08:00 Uhr: In einer eilig einberufenen Krisensitzung fordert der aufgebrachte Zielpunkt-Geschäftsführer Baltasar S. von seinen Mitarbeitern lautstark: "Weihnachten bis zum Äußersten" und verfügt den pausenlosen Einsatz der von der Konkurrenz gefürchteten CD: "Weihnachten mit Mireille Mathieu" über Deckenlautsprecher. Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig. 14:15 Uhr: Eines der ersten Opfer der Interspar-Weihnachtsmänner befindet sich mittlerweile in psychologischer Behandlung. Die Eltern des Kindes wussten keinen anderes Ausweg mehr. Sie hoffen, dass ihr Sohn so wieder davon abgebracht werden kann, bereits am 24. September Weihnachten feiern zu wollen. Er weigert sich auch seit 2 Tagen, trotz spätsommerlicher Temperaturen ohne Anorak und Thermohose in die Schule zu gehen. Ein baldiges Ende der notwendigen Therapie scheint sich nicht abzuzeichnen. Freitag, 15. September: 08:00 Uhr: Bewohner der Hauptstraße versuchen mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung die nun von Interspar angedrohte Musikoffensive "Heiligabend mit den Andy Borg" zu stoppen. 09:14 Uhr: Bei einem Hofer-Sattelschlepper mit vorgefertigten Bratäpfeln als Ladung versagen die Bremsen und er rammt ein Adventbläser-Ensemble aus dem Pongau, das gerade vor einem Eurospar ansetzte, Weihnachtsmelodien zum Besten zu geben. 09:30 Uhr: Hofer dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um Bratäpfel, sondern um Christbaumkugeln gehandelt. 18:00 Uhr: In der Stadt kommt es kurzfristig zu ersten Engpässen in der Stromversorgung, als der vom XXXLutz beauftragte Pensionist Josef W. mit seinem FlAK-Scheinwerfer - ein Relikt aus der Zeit, als er zum Ende des letzten Weltkrieges als FlAK-Helfer die Stadt verteidigte - den Stern von Bethlehem in den Himmel zeichnet. Samstag, 16. September: Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend aggressiver. 10:37 Uhr: Auf einem Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Merkur-Parkplatz zum Verzehr von Glühwein und Kletzenbrot gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos. 11:12 Uhr: In einer Bipa-Filiale rastete eine Frau aus und räumte in einem Anfall 3 Regalreihen leer. Man vermutet, dass sie es nicht mehr aushielt (aufgrund eines technischen Fehlers in der Musikberieselungsanlage) zum dritten Mal in Folge "Last Christmas" von Wham über sich ergehen lassen zu müssen und ihr bereits zuvor überstrapaziertes Nervenkostüm dem nicht mehr standhielt. Sie wurde umgehend nach Steinhof eingeliefert. Der Defekt in der Musikanlage konnte noch nicht behoben werden - da sie sich auch nicht mehr ausschalten lässt, bleibt die Filiale bis auf weiteres von Amts wegen geschlossen! 12:00 Uhr: Seit gut einer halben Stunde beschießen Interspar, Billa und Mondo die Einkaufszone mit Schneekanonen. Die Polizei mahnt die Räum- und Streupflicht ein. Umsonst! 14:30 Uhr: Teile der Stadt sind unpassierbar. Eine Hubschrauberstaffel des Bundesheers beginnt mit der Bergung von Eingeschlossenen: Menschen wie Du und ich, die nur noch einmal in der schönen Herbstsonne bummeln wollten. |
![]() | 03. November 2009 sehr kreativ! aber um auf deinen oberen abschnitt zu kommen: spekulatius, soweit ich weiß, sind auch ein typisches weihnachtsgebäck. und übers jahr über, muss man die schon genauer suchen ich seh das also schon ein wenig anders... und irgendwie schmecken jahreszeilich bedingte nahrungsmittel / genussmittel zur passenden jahreszeit immer noch am besten vom großen weihnachtsaufbau hab ich allerdings noch nichts gesehen... hm. ist vielleicht auch eher regionsabhängig |
![]() | 03. November 2009 Ein wenig übertrieben aber sehr gut geschrieben Wir sind diesen Dingen gegenüber auch eher asozial eingestellt. Wir investieren gerne in die Wirtschaft aber eben auch nicht sinnlos Weniger ist da mehr und wenn es nur ein bisschen mehr Zeit für einander ist weil nicht zusätzliche Kohle für Geschenke verdient werden muss, die nach zwei Stunden keienr mehr benötigt LG Armand |
![]() | 03. November 2009 @LetUsHave Wunderbar beschrieben und auf den Punkt gebracht. Das fängt alles zu früh an und hört zu spät auf. Oder ist´s umgekehrt? So genau werden wir das wohl in diesem Jahrhundert nicht mehr erfahren. Gleich wie in einer kürzlichen ORF Umfrage sich über 91 % gegen Helloween ausgesprochen haben. Unsere Freude war groß. Allerdings mussten wir mit Bedauern feststellen, dass unser Wohn"grätzl" wohl unter den fehlenden 8,29 Prozent war. Schade....... |
![]() | 03. November 2009 zwar nicht sinn des themas, Aber halloween (genauer gesagt samhain)hat in der kultur bzw tradition von uns mitteleuropäern wesentlich mehr berechtigung, als 90% des gebräuchlichem, katholischen unsinns. warum sich 90% dagegen aussprechen, zeugt von unwissenheit, arroganz und "ah des is jo vo amerika uma"-denkens |
![]() | 03. November 2009 bela_lugosi da hast Du Recht Feste wurden und werden(wurden) immer wegen der Einnahmen geschaffen, teilweise auch um das Volk zu beruhigen. Bin auch eher für überlieferte traditionelle Werte als für Vereinskultur wie sie von verschiedenen Glaubensdarstellungen forciert wird. Wobei natürlich auch diese alten nur teilweise überlieferten Traditionen, Feiern und Feste sowie Riten in den alten Keltischen udgl. Glaubensüberlieferungen den Ursprung haben. LG Armand |
![]() | 03. November 2009 so sehen wir das nicht bela. nicht weils von amerika kommt, wir sehr wohl um keltische bräuche wissen und diese im ureigentlichen sinn auch bei uns beheimatet "waren". Was uns gegen den Strich geht ist eben die "Unwissenheit" und die teils aggressive Art wie man den "Brauch" pflegt. Vor allem was mich daran stört(e) war, dass wir den Kids mal statt nur Schokolade und Zuckerln auch Mandarinen, Bananen Kiwi und Nüsse gaben. Allerdings fanden sich diese dann auf den Mauern der angrenzenden Häuser und teils zertreten in der Grünanlage. Vielleicht denken wir da zu eng? - Sind aber nach wie vor der Meinung, dass man mit "Lebensmitteln" so nicht umgehen sollte. |
![]() | 03. November 2009 Hallo Dom_Paar_Tirol so kommen wir von einem Thema zum nächsten. Wenn in Wien täglich so viel Brot weg geschmissen wird wie die Leute in Graz zum Essen benötigen sollte uns dies natürlich ebenfalls zu Denken geben. Da könnten wir nun den nächsten Thread mit Erziehung und Ernährung eröffnen usw. ob Frauen sich nur als Gebärstationen sehen wenn sie innerhalb 1 oder zwei Jahren die Kinder in der Krabbelstube oder im Kindergarten abgeben. Wer ist heute für Erziehung da? Wie viel Geld wird für mieses Essen ohne Nährstoffe ausgegeben? Diese Diskussionen würde ganze Bände füllen. Werde mich nun wieder ausklinken. LG Armand Dazu nennt man das ganze Diskussionsforum Lg Dom_Paar_Tirol |
![]() | 04. November 2009 Die Konsumenten, also wir alle, sind schuld. Nun bauen sie schon in der vorletzten Oktoberwoche den Christkindlmarkt vor dem Rathaus auf. Mir egal. Ich kaufe grundsätzlich keinen Lebkuchen, keine Spekulatius und dergleichen vor dem Nikolo. Wenn das alle so hielten, wäre das Übel schnell vom Tisch. Ist ja eine Sauerei. Wie soll man das kleinen Kindern erklären, wenn die schon im Oktober die Weihnachtsmänner in den Auslagen sehen? |
![]() | 04. November 2009 kann ich nur beipflichten! aber es ist ja nicht nur zu weihnachten so, sondern auch zu ostern! das weihnachtszeug wird verräumt, dann folgt gleich mal ostern. aber mal von diesen dingen abgesehn. erdbeeren kriegen wir das ganze jahr, egal ob sie gut sind oder nicht, egal obs unserer umwelt schadet, wenn wir sie nicht kaufen würden, würden sie nicht mehr angeboten. und so könnte man viele sachen aufzählen. Und kurz zu halloween, tja der brauch war ein keltischer, aber nicht so wie in "de amis" pflegen. wenn wir ehrlich sind ists nur eine wirtschaftliche geschichte, für uns mitteleuropäer hat es kein brauchtum. wir sollten unsere pflegen und nicht die der anderen. kleines beispiel wir haben des christkind und ned den weihnachtsmann! so jetzt hör ich auf, somst schweife ich noch mehr ab! |
![]() | 04. November 2009 Du hast ja Recht, aber ist DAS ein Thema für ein EROTIKFORUM? Oder haben wir da seit Jahren etwas missverstanden? |
![]() | 04. November 2009 @supernova73 die christlichen bräuche wurden ausschließlich dazu verwendet, um alte bräuche zu verdrängen. die christliche kirche ist im zuge der missionierung wie eine seuche über die welt geschwappt und hat den ländern ihre wirkliche kultur geraubt und durch verfolgung, verbrennung und folterung ausgetrieben. und wie du ja selber schreibst, waren die kelten europäer, es sind also "unsere" feste, die nur von den christen verändert bzw ihren eigenen wünschen nach angepasst wurden. |
![]() | 04. November 2009 hmm zu Halloween ... sicher ist der eigentlich keltische Brauch nicht so, wie es in den letzten jahren aus Amerika oder auch England zu uns rüberschwappte, aber nur weil etwas aus Amerika kommt muss man es auch nicht immer wieder verteufeln ... DIe Wurzeln dieses Festes sind hier bei uns in Europa und ich finde, man sollte einfach auch offener mit so etwas umgehen und bevor man dagegen wettert, erst mal schauen, wogegen man da wettert ggg Wen es interessiert googlet einfach mal nach Samhain ... das usrprüngliche Halloween und wird dort viele Traditionen udn Gebräuche finden, die zwar verändert, aber im Grundgedanken gleich auch im heutigen Halloween noch vorkommen Zu LuH Sicher gibt es einige Dinge viel zu früh, aber eben nur einige ... War ja im Sommer Zuhause und wollte eine Spezialität aus der Region essen (Vermicelle, falls das jemand kennt) und der Versuch schlug fehl, das gibt es erst im Winter Genauso wie Maroni, gewisse Gebäckspezialitäten sind bei uns noch sehr sehr stark an Feste und Jahreszeiten gebunden. Das Angebot in den heutigen Supermärkten mag nicht unbedingt Jahreszeitlich passend sein, aber als eigenständiger Mensch kann man wohl für sich selbst entscheiden, WANN man was kauft. Ich versuche recht passend zur Jahreszeit einzukaufen, im Sommer sehr viel Obst wie Beeren, Salate, Zuccini (aus Österreich bzw. Deutschland - je nach aktuellem Standort meinerseits ggg), im Winter gibts Chioccoree, Rote Beete, Äpfel etc. Es zwingt einem keiner sich aus dem beinahe allumfassenden Angebot auch an allem zu bedienen, das kann man mit gesundem Menschenverstand und logischem Denken ganz gut steuern Wenn es im September schon Lebkuchen gibt, dann muss man sie nicht kaufen und ich freue mich dennoch, wenn ich dann im Spätherbst, passend zu Wetter und Stimmung, die ersten kaufe Oder ich freu mich jetzt schon auf Weihnachten, Traditionsessen, gibt es zwar das ganze Jahr zum kaufen, aber wird bei uns eben auch wirklich nur einmal im Jahr gekocht ... das bleibt dann auch besonders Oder der erste Punsch Vielleicht auch alles eine Frage der inneren Einstellung ggg GLG Lucy |
![]() | 04. November 2009 @Wienpaar Achja ... MUSS man denn in einem Erotikforum IMMER NUR über Sex und Erotik reden? Wenn ja, dann haben ich und meine Gruppen, die recht breit gefächert sind, da wohl seit langem etwas missverstanden ... |
![]() | 04. November 2009 @Sweet_Lucy Nomen est Omen! Man könnte ja auch Strickmuster und Kochrezepte austauschen! Dafür gibt es bei Gott genug andere Foren! Gaumenfreuden Jedes Thema hat seine Berechtigung. Gibt aber spezifische Gruppen wo es "nur" um Sex geht. |